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Ein Gespräch mit Geschäftsführer der Bürgerstiftung Berlin Steffen Schröder

Interview: Andreas Monning

Wer ein Projekt nachhaltig unterstützen möchte, hat viele Möglichkeiten. Steffen Schröder erklärt, worauf es bei der Entscheidung ankommt.

Steffen Schröder ist Geschäftsführer der Bürgerstiftung Berlin, die 1999 ins Leben gerufen wurde.
Steffen Schröder ist Geschäftsführer der Bürgerstiftung Berlin, die 1999 ins Leben gerufen wurde. Foto: Jule Halsinger

Mit welchen Fragen kommen die Leute zu Ihnen?

In den allermeisten Fällen haben Sie eine Summe Geld, möchten damit eine Stiftung gründen und wollen wissen, wie man das macht und worauf sie achten müssen. Ich gehe dann einen Schritt zurück und frage, was ihr Geld eigentlich Gutes tun soll. Meistens gibt es ein persönliches Thema, dass sie beschäftigt. Ich erkläre Ihnen dann welche Wege ich sehe, um diesen guten Zweck zu erreichen und welche Vor- und Nachteile die einzelnen Möglichkeiten haben. Eine Stiftung zu gründen ist nur ein Weg und nur unter bestimmten Voraussetzungen der beste. Wir reden zu diesem Zeitpunkt selten über Geld, weil es für mich nicht die wichtigste Frage für die Entscheidung ist.

Können Sie das an einem Beispiel erläutern?
Vor einiger Zeit hatte ich ein Beratungsgespräch mit einer Frau, die ihr Engagement sehr klar auf eine bestimmte Region und bestimmte Themen fokussieren wollte. Wir haben dann besprochen, wie sie sich die Umsetzung vorstellt. Eine Stiftung zu führen ist ähnlich aufwändig wie ein Unternehmen zu führen, aber wenn man sich die Zeit nimmt und sich in Themen einarbeitet, ist das durchaus machbar. Nur die Nachfolgeregelung ist oft eine heikle Frage. Anders als Unternehmen verschwinden Stiftungen nämlich nicht einfach nach dem Tod oder werden verkauft. Die Stiftungen überleben die Stiftenden. Wenn ich eine Stiftung gründe, muss sich nach mir jemand so damit verbunden fühlen, dass sie weitergeführt wird. Gerade bei kleinen Stiftungen, die ein paar Tausend Euro vergeben, ist das nicht so einfach. Deshalb gibt es bedauerlich viele Stiftungen, die zwar formal noch existieren, wo aber nichts mehr passiert, weil sich niemand mehr darum kümmert. Die Frau hatte niemanden, ihre Stiftung weiterzuführen.

Was haben Sie ihr dann geraten?
Wir haben über andere mögliche Modelle gesprochen und sie hat sich letztlich für einen Stiftungsfonds entschieden. Ein Stiftungsfonds lässt sich leicht und schnell einrichten, erzeugt kaum bürokratischen Aufwand und fördert nachhaltig wie eine Stiftung den ausgewählten Zweck. Er braucht nur ein Stiftungsdach, wie unter anderem wir als Stiftung es bieten. Unter dem Dach der Bürgerstiftung Berlin gibt es zahlreiche Stiftungsfonds, die eigene Projekte gestartet haben und nachhaltig fördern. Voraussetzung ist, dass die Inhalte zu unserer Stiftung passen.

Gibt es auch bei Stiftungsfonds ein Aber?
Es gibt bei jedem Modell ein Aber. Bei einem Stiftungsfonds gibt man meist viel Entscheidungsgewalt auf. Einmal gestiftet, ist das Geld für ewig Teil dieser Stiftung, das braucht ein großes Vertrauensverhältnis. Bei einer Treuhandstiftung hingegen kann der Treuhänder gewechselt werden.

Wie funktioniert eine Treuhandstiftung?
Eine Treuhandstiftung wird durch Vertrag zwischen Stifter und Treuhänder (Träger) errichtet oder – wenn der Stiftungsgeber es zu Lebzeiten verfügt hat – sobald er stirbt, bestimmt der Gründer selbst Aufgabe, Name und Verantwortliche der Treuhandstiftung. Bei Gründung überträgt der Stifter das Stiftungsvermögen auf den Treuhänder, der es getrennt von seinem eigenen Vermögen gemäß den Satzungsbestimmungen der Stiftung verwaltet. Man kann sie zum Beispiel unter dem Dach einer bereits existierenden rechtsfähigen Stiftung gründen, aber auch Privatpersonen oder Unternehmen können Treuhänder werden, ebenso Rechtsanwalts- oder Steuerberaterkanzleien, Banken, Kirchen oder Kommunen. Der Treuhänder übernimmt Organisation und Verwaltung der Stiftung. Wichtig ist natürlich die Frage, welche Kosten dafür anfallen. Bei der Wahl einer Dachstiftung gilt es außerdem darauf zu achten, dass deren Existenz langfristig gesichert ist, ob es Vorgaben für die Höhe des Gründungskapitals gibt und ob man bei der Stiftungsarbeit mitwirken kann und Kontrollmöglichkeiten hat.

Was gibt es bei der Wahl des Modells noch zu berücksichtigen?
Viele möchten, dass mit der Förderung ihr Name verbunden bleibt und der gute Zweck möglichst lange oder praktisch für immer unterstützt wird. Das erfüllen Stiftungen, Treuhandstiftungen und Stiftungsfonds. Eine Zustiftung hingegen wird innerhalb einer bereits existierenden Stiftung geleistet und erhöht deren Kapitalstock. Man verzichtet auf den eigenen Namen, aber die Stiftung fördert den Zweck auch mit dem zugestifteten Kapital und man muss sich um nichts kümmern.

In welchen Fällen empfehlen Sie denn zu spenden?
Ich empfehle den Leuten zu fragen, was der Institution, die sie unterstützten wollen, am meisten helfen würde. Manchmal wird schnell viel Geld benötigt, um einen bestimmten Zweck zu verwirklichen, dann ist eine Spende das richtige. Bei allen Stiftungs- und Fonds-Modellen kann immer nur das in den guten Zweck fließen, was der Kapitalstock jährlich an Zinsen abwirft. Bei einer Spende verzichten die Geber zu Gunsten der schnellen Unterstützung auf die Verewigung ihres Namens.

Was würden Sie Menschen grundsätzlich empfehlen, die stiften oder spenden wollen?
Unbedingt eine Beratung in Anspruch zu nehmen. Es gibt immer verschiedene Motivationen abzuwägen, über die man sich klar werden muss. Und dann gilt es, die passende Form zu ermitteln. Ich habe hier nur die gängigsten Modelle erklärt, aber es gibt noch mehr Varianten. Beraten lassen kann man sich bei Stiftungen wie der Bürgerstiftung Berlin, aber auch beim Bundesverband Deutscher Stiftungen oder bei Banken.

Infos & Beratung

Wohin mit dem Ersparten?

Für einen guten Zweck.
Für einen guten Zweck. Foto: Imago/Westend61

Die Initiative „Mein Erbe tut Gutes. das Prinzip Apfelbaum“ informiert, wie man mit einem Testament gemeinnützige Organisationen unterstützen kann und vermittelt bei Fragen Ansprechpartner:
mein-erbe-tut-gutes.de

Wer über ein größeres Vermögen verfügt und lieber eigene Projekte verwirklichen möchte, kann selbst eine Stiftung gründen. Das Deutsche Stiftungszentrum (DSZ) berät bei Planung und Umsetzung:
deutsches-stiftungszentrum.de

Einen guten Überblick über die Stiftungsformen und ein kostenfreies Erstgespräch bietet der Bundesverband Deutscher Stiftungen:
stiftungen.org/stiftungen/

Eine Broschüre der Bürgerstiftung Berlin hat auch alle wichtigen Infos:
buergerstiftung-berlin.de/spenden-und-stiften/stiftungsfonds

Erschienen im Tagesspiegel am 13.09.2022