Arbeitswelten

Spagat zwischen zwei Welten

Als erster in der Familie studieren? Wie Mentoren dabei unterstützen können

Von Dennis Grimm

Als Erstakademiker wird man mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert: In der eigenen Familie gibt es kaum oder gar keine Vorbilder oder Vertrauenspersonen, die zur Orientierung und als Rückhalt zur Seite stehen könnten oder die als Inspiration dienen und ermutigen, die persönlichen Talente zu entdecken.

Es fällt schwer, in dem neuen Umfeld an der Universität ein Zugehörigkeitsgefühl zu den Kommilitonen zu entwickeln, gleichzeitig kommt es zur Entfremdung gegenüber dem eigenen sozialen Umfeld. Es entsteht also ein Spagat zwischen zwei verschiedenen Welten.

Um in dieser Situation standhaft zu bleiben hilft es, einen Mentor oder auch „Ally“ an der Seite zu haben, der Verständnis für die persönliche Situation sowie Wertschätzung mitbringt. Der ein offenes Ohr hat und in Momenten der Verunsicherung als Orientierung dienen kann – jemanden, der sein Wissen sowie persönliche Erfahrungen teilt. Um dies zu ermöglichen haben wir die gemeinnütze Organisation (NGO) „Speed Up, Buddy! e.V.“ ins Leben gerufen. Speed Up, Buddy! ist eine kostenlose Mentoring Plattform für Erstakademiker:innen mit dem Ziel, Studierende durch das Studium hindurch bis zum erfolgreichen Berufseinstieg zu begleiten.

Hierfür bieten wir neben dem persönlichen 1:1 Mentoring auch eine lebhafte Community sowie Workshops und Webinare zu verschiedenen Branchen, zur Vorbereitung auf den Berufseinstieg und Persönlichkeitsentwicklung an.

Wir verfolgen hierbei das Ziel, dass sich Menschen offen über ihre persönlichen Erfahrungen austauschen können, und sind davon überzeugt, dass eine starke Community dazu beitragen kann, fehlende Erfahrungen und Rückhalt sowie Unsicherheit zu kompensieren.

Die Rückmeldungen der ersten mehr als 230 aktiven Mentorings zeigen, dass beide Seiten des Mentorings, sowohl Mentee als auch Mentor, von dem offenen Austausch profitieren und sich gegenseitig auf der privaten und professionellen Ebene bereichern, unabhängig davon wie alt der Mentor oder die Mentorin ist und was ihr persönlicher Hintergrund ist. Wir sind davon überzeugt, dass nur ein offener und wertschätzender Austausch dazu beitragen kann, für die Themen der sozialen Herkunft zu sensibilisieren und somit ein Bewusstsein für Chancengerechtigkeit zu fördern.

Daher laden wir alle Erstakademiker:innen, die sich einen Mentor wünschen, sowie alle berufstätigen Menschen, die sich für Chancengerechtigkeit einsetzen wollen oder Akademiker der ersten Generation fördern wollen, ein, Teil unserer Community zu werden. Unabhängig vom fachlichen Hintergrund und Arbeitsumfeld.

— Der Autor ist Co-Founder der Mentoring-Plattform „Speed Up, Buddy!“ und Erstakademiker. Er hat sein BWL-Studium in Münster, Mailand und Maastricht absolviert und arbeitet als Analyst bei einem Venture Capital Fund in Berlin.

Erschienen im Tagesspiegel am 11.11.2021