Arbeitswelten
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Krafttraining bei Rückenschmerzen?

Interview mit dem Sportmediziner Ulf Marnitz

INTERVIEW Sabine Hölper

Ist der Gang ins Fitnessstudio sinnvoll oder gar schädlich? Sportmediziner Ulf Marnitz erklärt, wie man sein Rückenleiden am besten besiegt – und wie man richtig vorbeugt, damit es gar nicht erst soweit kommt

Ulf Marnitz ist ärztlicher Leiter des Rückenzentrums am Markgrafenpark in Berlin.
Ulf Marnitz ist ärztlicher Leiter des Rückenzentrums am Markgrafenpark in Berlin. FOTO promo

Herr Marnitz, stimmt es, dass mindestens jeder Zweite irgendwann einmal unter Rückenschmerzen leidet?
Es sind sogar 80 Prozent. Der Rücken ist der Schmelztiegel für Schmerzen im menschlichen Körper.

Woran liegt das?
Sitzen wir zu viel oder falsch? Wir werden zu alt, bewegen uns zu wenig und sind zu dick.


Es bekommen aber auch Menschen, die agil sind und Idealgewicht haben, Rückenschmerzen ...
Das ist dann Schicksal. Die Struktur der Wirbelsäule ist hochkomplex. Bis zum 30. Lebensjahr leistet sie Großartiges, danach kann sie Schwierigkeiten bereiten. Etwa, wenn man stundenlang am Schreibtisch sitzt. Dann besteht die Gefahr, dass die Strukturen gereizt werden – und die Schmerzen kommen.

Sind Rückenschmerzen grundsätzlich heilbar?
Sie sind zumindest gut behandelbar – und zwar viel besser als zum Beispiel ein kaputtes Kniegelenk.

Kann man sein Leiden durch Krafttraining im Fitnessstudio mindern oder gar ganz wegbekommen?
Pauschal gesprochen: ja. Die auf Rücken spezialisierte Fitness-Kette Kieser wirbt mit dem Spruch: „Ein starker Rücken kennt keinen Schmerz.“ Das ist zwar ein bisschen überzeichnet, aber im Kern richtig. Wer eine gesunde, kräftige Rückenmuskulatur hat, hat kaum Rückenschmerzen. Das heißt: Es liegt in der Hand eines jeden, mit einem guten sportlichen Angebot den Rücken gesund zu erhalten.

Wie viel Training ist bzw. macht gesund?  
Beim Rückentraining muss man zwei grundsätzliche Dinge unterscheiden. Zum einen: die Prävention. Hat man eine leichte Nackenverspannung und will Sport treiben, damit das Zwicken nicht zunimmt, ist es fast egal, was man macht. Dann können Sie Fußball spielen, Klettern, zum Yoga gehen, was auch immer. Zum anderen sieht es ganz anders aus, wenn man bereits Schmerzen hat, wir sagen muskulofasziale Schmerzen. Dann sind wir im therapeutischen Bereich und der Patient braucht ein anderes, ein dreistufiges Training.

Die Berliner Volkshochschulen

Wie sieht dieses Training aus?
In einem ersten Schritt muss der Patient die Muskulatur, die im Kern des Rumpfes sitzt, also die Kernmuskulatur, stabilisieren. Die Yogis nennen das Power House, gemeint sind Beckenboden, Bauchwand und Zwerchfell. Yoga und Pilates sind dafür geeignet. Leider ist das nicht leicht zu erlernen, da braucht man schon rund zehn Sitzungen. Sofern man das beherrscht, kommt Stufe zwei: das Trainieren der oberflächlichen Skelettmuskulatur, also den Sixpack und die großen, langen Rückenstreckmuskeln. Diese Muskeln sind für die Bewegung allgemein zuständig. Stufe drei ist das eigenständige Trainieren des Körpers im Studio, und zwar langfristig. Dieses Dreigestirn brauchen Menschen, die bereits einen schmerzgeplagten Rücken haben. Das ist sehr wichtig.

Wie kann man dieses dreistufige Training in der Praxis am besten umsetzen?
Für Stufe eins braucht man die Unterstützung eines erfahrenen Physiotherapeuten oder guten Yoga- oder Pilates-Lehrers. Stufe zwei: Entweder der Patient kann die Übungen alleine machen oder aber er geht – wohlgemerkt unter Kontrolle – ins Fitnessstudio. Wer bei Stufe drei angelangt ist, ist bereits sein eigener Experte geworden und kann mehr oder weniger eigenständig den Rücken gesund trainieren. Ist der Gang ins Fitnessstudio sinnvoll oder gar schädlich? Sportmediziner Ulf Marnitz erklärt, wie man sein Rückenleiden am besten besiegt – und wie man richtig vorbeugt, damit es gar nicht erst soweit kommt Es liegt in der Hand eines jeden, seinen Rücken gesund zu halten“

Es liegt in der Hand
eines jeden, seinen Rücken
gesund zu halten“

Die meisten Rückenpatienten laufen aber sofort ins Fitnessstudio. Ist das sogar schädlich?
Kranke scheitern dort regelmäßig. Denn sie steigen bei Stufe zwei ein, ohne im Vorfeld die Fähigkeit erworben zu haben, die Muskulatur in der Tiefe des Rumpfes anzusteuern und ihm damit eine saubere Führung zu geben. Wenn sie aber die Stabilisation des Rumpfes nicht haben, dann heben sie mit ihren äußeren Skelettmuskeln über die Wirbelsäule – und machen den Schmerz schlimmer.

Sofern es erst leicht zwickt oder man bei Stufe drei angekommen ist: Welchen Sport darf man machen, welchen sollte man unterlassen?
Vor 20, 30 Jahren haben die Orthopäden immer Rückenschwimmen empfohlen. Das ist in der Tat eine gute Möglichkeit, den Rücken zu trainieren, aber nur eine von hunderten. Es muss auch nicht Yoga, Pilates oder Krafttraining sein. Sie können ebenso Fußball spielen oder klettern. Entscheidend ist, dass Sie es mit Freude machen. Anderenfalls hören Sie nach drei Monaten sowieso wieder auf.

Ist Joggen Gift bei Rückenweh?
Nein. Das Laufen ist uns Menschen ja in die Wiege gelegt. Natürlich können wir laufen. Ab etwa 50 wird es allerdings oft problematisch. In dem Alter sind Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking perfekt.