Arbeitswelten
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Die Zukunft der Metropolregion

Von Udo Badelt

Es ist, wie so vieles, im Sog der Corona-Pandemie untergegangen, aber war trotzdem bedeutsam: Der 100. Jahrestag der Schaffung von Groß-Berlin im Jahr 1920. 

Damals, wenige Jahre nach dem ersten Weltkrieg, gelang etwas Einzigartiges – die relativ kleine Reichshauptstadt wurde per Gesetz über Nacht mit den im Laufe der Jahrzehnte entstandenen Großstädten wie Charlottenburg oder Schöneberg sowie zahlreichen kleineren Gemeinden und Gutshöfen zusammengeschlossen und so eine – zum damaligen Zeitpunkt – größten Städte der Welt geschmiedet.

Vorbild für Berlin? Beim Symposium spricht eine französische Ministerin über das Projekt „Grand Paris“.
Vorbild für Berlin? Beim Symposium spricht eine französische Ministerin über das Projekt „Grand Paris“. Foto: Bertrand Guay/dpa

Wie gesagt, das ist 100 Jahre her und war eine Erfolgsgeschichte. Doch jetzt stehen neue Herausforderungen an, Berlin muss wieder einen Modus der Zusammenarbeit mit seinem brandenburgischen Umland finden, eventuell sogar erneut den Anlauf zu einer Länderfusion wagen. Der Blick auf andere Metropolregionen kann da aufschlussreich sein. So hat die Politik in Frankreich beschlossen, das Verhältnis von Paris und seinen Vorstädten zu modernisieren, Zentrum und Peripherie zusammenzuführen. Olympia und das Projekt „Grand Paris“ spielen als Katalysatoren eine relevante Rolle.

Die Unterschiede zwischen Paris und Berlin sind dabei mindestens so groß wie die Gemeinsamkeiten. Beide besitzen eine Banlieue, einen Vorstadtgürtel, aber Berlin hat ihn 1920 eingemeindet, Paris nicht – die Furcht vor den kommunistischen „roten“ Gemeinden spielte dabei eine Rolle. In der Antike gegründet und ungleich älter, ist Paris langsam und in Ringen gewachsen, während Berlin lange eine unbedeutende regionale Residenzstadt war und dann explosionsartig und sich entlang von Radialen entwickelnd zu einer der größten Städte Europas, zeitweise der Welt aufschwang.

Die Situation und Stellung von Paris in Frankreich ist einzigartig und faszinierend. Obwohl Metropole und größte Stadt des Landes, ist die tatsächliche Fläche sehr klein, etwa so groß wie Berlin innerhalb der Ringbahn. Nach der letzten großen Erweiterung in den 1860er Jahren fror Paris quasi in seiner heutigen Form fest, innerhalb des Boulevard Périphérique (der Ringautobahn), während außerhalb die Vorstädte wuchsen und wuchsen. Versuche, eine Neuordnung der seit 1977 Île-de-France genannten Gesamtregion zu erreichen, gibt es schon lange. Der aktuell neueste, Grand Paris, wurde unter der Präsidentschaft von Nicolas Sarkozy initiiert und hat, neben massiver Wohnbebauung, eine Angleichung der Lebensverhältnisse zum Ziel sowie die Schaffung eines riesigen neuen Metronetzes außerhalb von Paris, mit den vier völlig neuen Linien 15-18.

Berlin täte gut daran, nach außen zu blicken und wie eine Metropole zu denken. Und sich nicht in der Gewissheit einzurichten, die Reform ja bereits vor 100 Jahren gemacht zu haben. Denn diese Sicherheit ist trügerisch.