Arbeitswelten
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Der Blick geht nach vorne

STADTENTWICKLUNG: Auf seinem Symposium will der VBKI erörtern, was die drängendsten Themen der Zukunft sind – zum Beispiel, wie Berlin in den kommenden Jahren klimaneutral wird

Von Udo Badelt

Auf einer überbreiten Magistrale, der Gertraudenstraße, wälzt sich der Verkehr von Ost nach West durch die Berliner Innenstadt.

Wohl kaum einem Fahrer ist klar, dass er hier, am Petriplatz, über die Wurzeln der Stadt brettert. 1237 wurde ein Pfarrer Symeon an der Petrikirche zu Cölln erwähnt, das früheste bekannte Schriftzeugnis. 2037 steht also die 800-Jahr-Feier Berlins an. Auf dem Symposium „Miteinander.Besser.Leben“ will der VBKI in die Zukunft blicken und fragen, wie Berlin aussehen wird. Was sind die großen Herausforderungen, vor denen die Stadt steht?

Bleiben wir gleich im Zentrum. Dort entsteht hinterm Roten Rathaus der historische Molkenmarkt neu. Bereits fertig ist das Humboldt Forum auf dem Areal des früheren Schlosses. Doch ihm fehlt ein städtisches Gegenüber. Zwischen Fernsehturm und Humboldt Forum, wo die Stadt vor 800 Jahren entstand, gähnt eine große Leere. Daran wird sich auch bis zum Jubiläum nichts ändern, denn eine vom Senat initiierte Diskussion hat Leitlinien erarbeitet: Der jetzige, von der DDR hinterlassene Zustand soll im Wesentlichen so bleiben. „Es wurde viel Rücksicht genommen auf die Befindlichkeiten der Anwohner“, sagt Bernd Albers. Der Architekt und Städtebauer hat mit dem früheren Senatsbaudirektor Hans Stimmann zusammengearbeitet und schon 2009 in dessen Publikation „Berliner Altstadt – von der DDR-Staatsmitte zur Stadtmitte“ Vorschläge für eine Reurbanisierung des Areals vorgelegt. „Dieser Ort ist so wichtig, dass eigentlich gesamtstädtisch und nicht nur von Anwohnerseite über ihn entschieden werden sollte“, sagt er. Beim Symposium werden sich Bernd Albers und Kollegin Silvia Malcovati mit Carsten Sellschopf (GF Instone Real Estate Development) und VBKI-Präsident Markus Voigt über die Zukunftsentwürfe Berlins für die Jahre 2037 und 2070 unterhalten.

Die Metropole muss mit dem Umland verzahnt werden

Ganz oben auf der Agenda steht sicher die weitere Verzahnung Berlins mit seinem Umland, vor allem natürlich im Verkehrsbereich. Da hat die Stadt einen Vorteil gegenüber anderen Metropolen, meint Albers: „Sie ist strahlenförmig entstanden, das ist ihr Alleinstellungsmerkmal.“ Seit dem 19. Jahrhundert verläuft die Besiedelung Berlins, anders etwa als bei dem in Ringen gewachsenen Paris, radial entlang der wichtigsten Straßen und Bahnlinien. Das hat den Vorteil, dass nicht nur Menschen und Güter schnell in die Stadt und wieder hinaus gelangen, sondern auch Frischluft, die entlang dieser Schneisen zirkulieren kann.

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Und damit sind wir bei einem weiteren Punkt, der die Stadtentwicklung Berlins in den kommenden Jahren wesentlich prägen wird: dem Klimawandel. Über Wochen und Monate stabile Wettersysteme werden häufiger, mit ihnen auch Hitzewellen. Darauf müssen sich alle Städte einstellen, aber Berlin hat eben aufgrund seiner Luftkorridore, Grünflächen und generell eher lockeren Bebauung eine gute Ausgansposition. Das VBKI-Forum „CEOs for Berlin“ beschäftigt sich mit der Frage, wie die Stadt klimaneutral werden kann, ihren Strombedarf also durch Erneuerbare Energien decken kann, die weitgehend regional erzeugt werden. Und welche Wachstumsmöglichkeiten in diesem Sektor liegen.

Begrünung der Dächer, damit diese Feuchtigkeit speichern und den Stadtraum kühlen können, noch mehr Straßenbäume im sowieso schon reich mit Bäumen gesegneten Berlin, das Zurückdrehen des Autoverkehrs in der Innenstadt – vieles davon ist schon längst als richtig erkannt, aber eben noch nicht konsequent genug umgesetzt worden. „Ohne Politik gibt es keine Stadtentwicklung“, sagt Bernd Albers und bringt das Problem der Innenstadt anschaulich auf den Punkt: „Alle GPS-Systeme lenken den Verkehr automatisch durchs Zentrum. Weil sich dort die breiten Durchgangsstraßen befinden. Das muss sich ändern.“

Daneben werden natürlich auch heiß diskutierte Themen wie Wohnen, hohe Mieten, die mögliche Verstaatlichung großer Immobilienunternehmen, die künftige Rolle der landeseigenen Gesellschaften oder die Zukunft des Tempelhofer Feldes in den nächsten Jahren weiter eine große Rolle spielen. Genug Stoff, um mehrere Symposien damit zu füllen.